„Die Option bezeichnet eine von den beiden faschistischen Diktaturen Italien und Deutschland zwischen 1939 und 1943 erzwungene Wahlmöglichkeit für deutschsprachige Südtiroler und Ladiner, ihre Heimat Südtirol zu verlassen und die Option für Deutschland auszuüben (Optanten) oder in Südtirol zu verbleiben (Dableiber), wo sie jedoch weiterer sprachlicher und kultureller Unterdrückung und Italianisierung ausgesetzt waren. […]“

aus „Wikipedia, der freien Enzyklopädie“

http://de.wikipedia.org/wiki/Option_in_Südtirol

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Bildschirmfoto 2014-06-23 um 19.45.27

http://www.provinz.bz.it/astat/schriftenreihe/pdf/bev_1940-2000-pdf-teil1.pdf

aus „Die Bevölkerung in Südtirol – Eine Analyse auf Gemeindeebene 1940−2000“ – Autonome Provinz Bozen-Südtirol – Landesinstitut für Statistik ASTAT

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Artikel von Othmar Parteli in der Tageszeitung Dolomiten, Samstag/Sonntag, 21./22. Juni 2014, Seite 22, zum 75. Jahrtag der „Berliner Vereinbarung“ zur Option

 

„Brautgeschenk“ für die Achse Rom-Berlin

 

Am 23. Juni jährt sich zum 75. Mal ein besonders tragisches Kapitel der Südtiroler Zeitgeschichte: An diesem Tag wurde in einer Konferenz in Berlin, an der der italienische Botschafter in der deutschen Hauptstadt, Bernardo Attolico, und der Präfekt der Provinz Bozen, Giuseppe Mastromattei, teilnahmen und die von Heinrich Himmler geleitet wurde, eine Vereinbarung unterzeichnet, die bestimmte, dass sich die Südtiroler zu entscheiden hätten, ob sie ins Deutsche Reich abwandern oder in Italien verbleiben wollten. (…)

Mit der Berliner Vereinbarung, die gewissermaßen das Brautgeschenk an Italien anlässlich der Achsenheirat Berlin-Rom darstellte, exerzierte Hitler auf Kosten der Südtiroler jenes verruchte Schach- und Schacherspiel mit Menschen und Völkerschaften, das er in Kürze in anderen Gegenden Europas zur Perfektion entwickeln und das in wenigen Jahren in Bezug auf das deutsche Volk eine noch weit schrecklichere Steigerung erfahren sollte. Mit Blick auf Rom dagegen deckte diese Vereinbarung schonungslos die gesamte Verlegenheit und Verlogenheit der bisherigen italienischen Assimilierungspolitik in Südtirol auf, wenngleich sie eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür bildete, dass Mussolini an der Seite Hitler in den Krieg ziehen konnte. (…)

Zu dieser Zeit war gerade eine Kolonisationsreform in Sizilien im Gang, von der man überdurchschnittlich viele Südtiroler Präsenzdiener auf dieser Insel in Kenntnis setze. Und auch in Albanien, wohin viele von ihnen nach dem 7. April 1939, dem Tag der italienischen Besetzung Albaniens, überstellt wurden, waren auf Großgrundbesitzboden neue Siedlungen errichtet worden. (…)

Das Schreckgespenst einer Aussiedlung nach Sizilien erfuhr aber auch über andere Wege eine nachhaltige Akzentuierung, etwa durch die Mitteilung von Giuseppe Kardinal Pizzardo an den Generalvikar der Diözese Brixen, Alois Pompanin, wonach bereits im Jahre 1935 „bei der Zentralleitung der faschistischen Partei in Rom … die Pläne … zur Übersiedlung der Südtiroler Bevölkerung nach Sizilien und auch der Geistlichen nach Sizilien“ aufgelegen seien. (…)

Am 21. Oktober 1939 kam es sodann zur Unterzeichnung des deutsch-italienischen Durchführungsabkommens, wodurch der Weg zur „Ab- und Rückwanderung der Südtiroler“ endgültig frei war. Dieses besagte u.a. dass sich alle Südtiroler bis zum 31. Dezember 1939 endgültig und unwiderruflich zu entscheiden hatten, ob sie deutsche Bürger werden und als Folge nach Deutschland auswandern, oder aber ob sie italienische Bürger bleiben wollten in der nach wie vor dominierenden Ungewissheit, was dann mit ihnen geschehen sollte. (…)

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Optantengedicht

von Karl Felderer

So reißet vom sonnigen Erker
Die letzte brennende Lieb;
Die Treue zu Deutschland war stärker,
Das Heiligste, was uns blieb.

Wir nehmen sie mit im Herzen,
Für and’re dereinst Symbol;
Sie stille des Heimweh’s Schmerzen:
Leb wohl du, mein Südtirol!

 

19052514

 

Dableibergedicht

von Hans Egarter

Am Erker blühet wie immer
Die leuchtende „Brennende Lieb“.
Die Treue zur Heimat war stärker,
Wie jauchzen wir, daß sie uns blieb.

O blühe und leuchte du Blume −
Ein Zeichen der Treue du bist!
Und künde, daß Glaube u. Heimat
Das Höchste für uns ist.