Angenehmes Wohnen in der Südtiroler-Siedlung

Geschichten

Hilde Gartner (geb. 1924), Optantin

Im Rahmen der „Sondermaßnahme Südtirol“ veranlasste der Tiroler Gauleiter Franz Hofer die Errichtung von insgesamt 10.000 Wohnungen in Tirol, Vorarlberg und im Gau Salzburg für die ausgewanderten Südtirolerinnen und Südtiroler.

Dort Einzug gehalten hat auch Optantin Hilde Gartner mit ihrer Familie. Am 17. September 1940 waren sie ausgewandert. In Innsbruck angekommen wurde von den Deutschen zunächst aus Hygienegründen eine Lungenuntersuchung durchgeführt. Die Art und Weise, wie diese ärztliche Untersuchung erfolgte, ist Gartner in schlechter Erinnerung geblieben: „Da haben sich die Frauen ausziehen müssen und da waren Kinder und alles dabei, das hat den Großteil natürlich sehr gestört. Das System ist man einfach nicht gewöhnt gewesen.“ Auch die Nordtiroler hätten über den Zuzug der Südtiroler keine wirkliche Freude gehabt. Die Bevorzugung der Südtiroler mit Kleiderkarten und verschiedenem anderen, also mit Wohnungen usw., habe zu Missstimmungen geführt bei den Einheimischen.

Dennoch: An der Unterbringung hatte Gartner nichts auszusetzen. Die Familie war erst in Innsbruck eine Woche im „Schwarzen Adler, dann in einem Gasthaus in Schwaz, bis sie dort eine Wohnung erhielten und der Vater eine Stelle beim Landratsamt annahm – bis zu seinem Tod.

Die Möbel ließ sich die Familie per Transporter in die neue Bleibe nachliefern. „Wir haben von Südtirol keine Möbel mitgenommen gehabt, und zwar deswegen nicht, weil es noch vollkommen ungewiss war, wo man hinkommt. Und die Mama wollte nicht Möbel mitnehmen und sie dann irgendwo in einem Lager lagern“, so Gartner.

Sie spricht davon, dass das Wohnen in der Südtiroler-Siedlung angenehm war. Obgleich nicht nur Südtiroler dort wohnten. „Da hat beispielsweise der Landratstellvertreter auch gewohnt, ein Bekannter von uns, ein Gymnasialprofessor. Der ist immer zu meinem Papa Schachspielen gekommen“, erinnert sie sich. Generell hätten die Südtiroler aber weitestgehend zusammengehalten.

Zur Zeit der Fliegerangriffe hat man dann immer die Wohnungstür offen lassen müssen. Doch das war kein Problem. „Da ist nie was weggekommen“, berichtet Gartner. Allerdings stand auf Diebstahl die Todesstrafe. Das könne man sich heute gar nicht mehr vorstellen, „aber das war so ruhig, da hat es weder Krawalle, noch sonst irgendwas jemals gegeben“.

Foto 1: Hilde Gartner in „Option und Erinnerung“
Foto 2: Als Erinnerung an die Umsiedlung der Südtiroler wurde ein Denkmal in Innsbruck/Pradl, nahe der so genannten Südtiroler-Siedlung, errichtet. Foto von Elisa Heinrich
Quelle: „Die Erinnerung an die Südtiroler Option 1939“ von Sabine Merler (Tagung “Option und Erinnerung”, 2./3. Oktober 2014, Freie Universität Bozen)

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