„Eure Ecellenza“: Ein Brief an den Duce persönlich

Geschichten

„Das Auswandern wird etwas schreckliches werden, Heimath und Scholle verlassen, wo man sein Lebtag geschafft und gearbeitet hat, dies geht auf Leben und Tod.“

Diese Zeilen stammen aus dem Brief, den die couragierte Hebamme Gertraud Unterhofer aus Ternten (*5.2.1867 – +19.4.1958) mit einer „Bitte von der ganzen Comune Terento“ an den Duce höchstpersönlich verfasst hat.

In Terenten optierte fast die gesamte Bevölkerung für Deutschland. Das Schreiben belegt die Ängste der Bevölkerung, denn es hieß: „deutsch bleiben“ oder „walsch werden“.

Während den Optanten eine rosige Zukunft ausgemalt wurde, wurde die Angst der Dableiber geschürt, sie würden alle nach Sizilien, auf jeden Fall aber südlich des Po, umgesiedelt und somit auch der Heimat entrissen. Vereinzelt war auch von einer Ansiedlung in den neueroberten italienischen Kolonien in Abessinien die Rede. Durch das von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels lanciertes Gerücht sollte die Aussiedelung ins Deutsche Reich beschleunigt werden.

Obgleich Unterhofer nur die Volkschule und einen dreimonatigen Hebammenkurs in Innsbruck besucht hat, fasste sie sich ein Herz und schrieb den Brief, um eine schriftliche Bestätigung von Diktator Mussolini zu erhalten, dass die Dableiber auch in „der Comune Terento“ bleiben dürfen.

Erst als schon Zehntausende ausgewandert waren, sicherte Mussolini aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen im März 1940 den Dableibern zu, dass sie in Südtirol bleiben könnten.
Unterhofer war in Terenten geblieben und verstarb dort im Alter von 91 Jahren.

Quelle Fotos: „…ich mach halt’ immer einen guten Gedanken“ von Günther Obwegs

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